ICE 4 oder „Wir bitten Sie, Ihren privat mitgebrachten Vierkantschlüssel NICHT zu verwenden.“

Unter diesem Motto könnte eine kleine Bahnreise stehen, die ich unlängst unternehmen durfte. Man könnte aber auch sagen: „Für eine Leberkassemmel nach München…“

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Die Deutsche Bahn erprobt derzeit ihre neuen ICE4-Züge. Damit es nicht wieder so ein Desaster gibt wie bei den Vorgängern, werden diese intensiv getestet. Erstmal sind 2 Züge in Betrieb, von denen jeweils einer für zwei Monate als Sonderzug Hamburg – München – Hamburg fährt. Für diesen Probebetrieb sind Mitarbeiter der DB und von Bombardier und Siemens eingeladen. Sie dürfen jeweils bis zu vier Gäste mitnehmen. Sogar die Anreise mit regulären Zügen ist dann kostenlos. Nach den 2 Monaten soll dann für ein Jahr ein ICE4 als Ersatz für einen planmässigen ICE1 ebenfalls Hamburg – München – Hamburg fahren. Die gesammelten Ergebnisse sollen dann in die Serienfertigung einfliessen.
Ich hatte also das Vergnügen, mit einem befreundeten DB-Mitarbeiter Fulda – München – Fulda zu fahren. Zusammen mit vielen anderen Pufferküssern…

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Hier meine Eindrücke:
Man merkt zu allen Vorgängerversionen (sogar zum 3er) Fortschritte. Insbesondere die Laufruhe ist beachtlich und wir haben uns wirklich oft in der gefahrenen Geschwindigkeit verschätzt. Diese wird ab und zu auf den Monitoren angezeigt, die über den Wagen verteilt an der Decke hängen und viel besser abzulesen sind, als die alten Anzeigen am Wagenende.

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Die Reservierungsanzeigen befinden seitlich sich in den Sitzlehnen. Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Ich finde es praktisch und gut abzulesen, obwohl ich relativ groß bin und die Anzeige nicht in meinem direkten Blickfeld ist.

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Die Wagenkästen sind länger und schmäler als bisher, dadurch wurde auch der Mittelgang so schmal wie noch nie zuvor (50 cm).

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Aber es gibt über den Wagen verteilt 4 Ausweichstellen, nämlich die großzügig ausgelegten Gepäckfächer.

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Man hat wohl eingesehen, dass diese Regale zwingend eine solche Doppelfunktion haben. Deshalb wurden anscheinend die vorderen Regalstangen weggelassen, die offensichtlich eingeplant waren. Die Löcher in den Seitenscheiben sind jedenfalls noch da.

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Mich hat natürlich besonders das neue Fahrradabteil interessiert. Wegen der Anreise mit „alten“ ICEs konnte ich ja selbst kein Rad mitnehmen, aber das hat jemand anderes für mich übernommen.

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Schade, im folgenden einjährigen Plantestbetrieb wird man das nicht sinnvoll nutzen können. Wenn die 4er im Wechsel mit 1ern fahren, kann man keine Fahrradplätze reservieren und ohne Reservierung geht im Fernverkehr nix. Und selbst wenn, wenn der 4er mal ausfällt und durch den wohl bereitstehenden 1er ersetzt wird, ist man gekniffen. Aber prinzipiell ist es schon schön, endlich auch in ICEs Räder mitnehmen zu können. Die Zeit der Reservierungszettel ist dann auch vorbei.

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Die Ausstattung entspricht ansonsten dem, was man vom Fernverkehr schon kennt.

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Vier Räder können gestellt werden, vier aufgehängt. Die oberen Halter sind durch die Dachrundung etwas im Überhang. Das führt dazu, dass das Vorderrad nicht ganz anliegt und das ganze Rad mehr Bewegungsfreiheit hat. Das ist wohl unproblematisch.

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Was ich viel schlimmer finde, ist die Trennwand zum Eingangsbereich.

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Zwar hat man schlauerweise schon an den Edelstahlkantenschutz gedacht…

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…aber was soll der Quatsch? Wir konnten jedenfalls keine Funktion der Wand erkennen, sprich es waren keine Klappen drin, hinter denen sich Technik verbergen könnte. Sie hat bestimmt auch keine tragende Funktion. sie ist einfach nur im Weg. Mit Tandem oder Liegerädern wird das eine Herausforderung, aber auch schon mit Singles und Taschen. Ja, ich weiß, man soll die Taschen abmachen, blablabla…
Leider wurde an den Klimaanlagen gespart, Druckertüchtigung war wohl zu teuer. Ist doch schön zu beobachten, wie am Tunnelanfang alle kollektiv das Gesicht verziehen.
Fazit:
Viel Gutes, viel Fortschritt, aber an zwei Stellen muss zwingend nachgebessert werden. Die Trennwand muss weg und die Wagen müssen druckfest sein, sonst verprellt die Bahn viele Kunden.

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